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mehr-demokratie-wagen.de Forum Index >> Entwicklungen weltweit >> Afghanische Frauen leiden immer noch

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1. revolutionsound, 13.08, 00:51 (Start)  *

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Angezeigtes Thema: 'Afghanische Frauen leiden immer noch'
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Von: revolutionsound (Rang: Moderator)   Beiträge: 3739
Mitglied seit: 18.02.2002
Geschrieben am: 13.08.2002 um 00:51 (1480 mal angezeigt)   (Aktuell gewählter Beitrag)
Quelle: Robyn Dixon in Sun Journal am 27.07.2002 veröffentlicht bei rawa-germany

Rechte: Trotz westlichem Druck nach größerer Beachtung sind viele Gesetze nach dem Sturz der Taliban nicht geändert worden und die Gefängnisse füllen sich wieder.

KABUL, Afghanistan - Eingehüllt in Decken und farbenfrohe Schals sehen die sechs Insassinnen aus wie verstreute Mauerblümchen an der Seite einer Zelle des Kabuler Frauengefängnisses. Der Ehemann der 28-jährigen Marzia verweigert ihr seine Einwilligung in eine Scheidung von ihm. Sie erzählt, dass der 55-jährige ihre Füße ankettete und sie einen Monat lang in einem kleinen feuchten Zimmer seines Hauses eingesperrt hielt.

Nilofar, 16, und Fariba, 19, verliebten sich in Jungen aus der Nachbarschaft und versuchten auszureißen. Als Fariba sich weigerte, einen Cousin zu heiraten, drohte ihr Vater, sie zu zerhacken und "mich in Einzelteilen an meinen Cousin zu geben", sagt sie. Der Cousin ließ ihr im Gefängnis eine Nachricht zukommen, dass er sie umbringen werde, sobald sie wieder auf freiem Fuß sei.

Am 13. November, als die Taliban Kabul verließen, leerte sich das Kabuler Frauengefängnis. Aber in den letzten sechs Monaten sind Frauen und junge Mädchen allmählich wieder dorthin zurückgekehrt, und die Verbrechen, für die sie gefangengehalten werden, sind weitgehend dieselben wie damals unter den Taliban.

Von den 29 Gefangenen sind die Meisten im Gefängnis, weil sie von zu Hause ausgerissen oder weggegangen sind. Die Hälfte wird des Ehebruchs beschuldigt, eine ist des Mordes angeklagt und eine des Diebstahls.

Trotz westlichem Druck nach größerer Beachtung der Rechte der Frauen in Afghanistan, sind viele Gesetze, die Frauen betreffen, nicht geändert worden und es herrscht Unklarheit darüber, was das Gesetz eigentlich gebietet.

Afghanistan hat ein duales Rechtssystem mit der Scharia, dem islamischen Recht, und einigen Teilen des Bürgerlichen Gesetzbuchs aus der Zeit vor der Machtergreifung durch die Taliban im Jahre 1996, als sie alle zeitgenössischen Gesetze, rechtliche Unterlagen und Bücher verbrannten.

Unter der Scharia zählt das Wort eines Mannes doppelt so viel wie das einer Frau. Ein Gericht davon zu überzeugen, dass eine Frau von ihrem Mann geschlagen oder vergewaltigt worden ist, oder dass sie geschieden werden muss, ist schwierig.

Eine Frau oder ein Mädchen, das eine Vergewaltigung meldet, aber den Nachweis schuldig bleibt, dass es ohne ihre Einwilligung geschah, läuft Gefahr, des außerehelichen Geschlechtsverkehrs angeklagt zu werden. Die 40-jährige Rana, die ranghöchste weibliche Kriminalpolizistin Kabuls, die auch unter den Taliban diese Position innehatte, argumentiert damit, dass Vergewaltigung aus physischen Gründen nicht möglich ist, und dass es das Verbrechen nicht geben kann. Rana ist für die Ermittlungsarbeit zuständig bei allen Verbrechen, die Frauen betreffen. Sie schaut durch ihre dicken, schwarz eingefassten Brillengläser und vergleicht Vergewaltigung mit einer Nadel und einem Faden.

"Kann man den Faden durch das Nadelöhr zwingen, wenn die Nadel sich dreht und windet?" fragt sie und gibt dabei zu verstehen, dass kein Mann einer Frau Sex aufzwingen kann, wenn sie sich wirklich dagegen wehrt.

Sherin Aqa Manawee, stellvertretende Leiterin an Afghanistans Oberstem Gerichtshof, sagt, dass unter der Scharia ein Mann oder eine Frau das Recht hat, einen Partner zu wählen, vorausgesetzt, keiner ist bereits verlobt - und der Vater der Frau hat keine gesetzmäßiges Recht einzugreifen.

Aber in den wenigsten Fällen läuft es tatsächlich so. Das Gesetz kollidiert mit der althergebrachten afghanischen Tradition, dass die Familien den Partner auswählen. Frauen und Mädchen, die aus den Häusern ihrer Väter, Ehemänner oder anderer männlicher Verwandten ausreißen, werden verhaftet und ins Gefängnis gebracht, wo sie solange bleiben bis ein männlicher Verwandter Anspruch auf sie erhebt.

Martin Lau, ein Experte islamischen Rechts an der Universität der "London's School of Oriental and African Studies" sagt, dass einige Vergehen - wie z.B. "Ehrenverbrechen", wo männliche Verwandte weibliche Familienmitglieder töten, weil sie Schande über die Familie gebracht haben - eher eine Angelegenheit der Tradition sind statt des Gesetzes. "Es ist der Brauch hier. Es ist nicht das islamische Gesetz." sagt er. "Es gibt im Islam nirgendwo etwas, das aussagt, dass ein betrogener Ehemann das Recht habe, das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen."

Die Arrestierung von Frauen, die von zu Hause weggelaufen sind, ist Teil einer Kultur, die sie behandelt wie Minderjährige, deren Leben von ihren männlichen Verwandten bestimmt wird. Unter dem von den Taliban angewandten Gesetz, das immer noch weit verbreitet ist, muss eine Frau in allen rechtlichen Angelegenheiten von ihrem männlichen Vormund oder Ehemann vertreten werden. In einem Land, wo Beziehungen über den Familienklan alles bedeuten, muss eine Frau sich auf ihre männlichen Verwandten verlassen, wenn es darum geht, ihre Interessen mit Polizei und Gerichtsbehörden zu verfolgen.

Marzia hat acht Monate im Gefängnis gesessen, weil sie eine Ehescheidung will. Vor einem Monat ist sie entlassen worden und wartet auf ihre Verhandlung. Es kann ihr aber passieren, dass sie zu ihrem Mann zurückgeschickt wird, wenn das Gericht ihr die Scheidung verweigert. Sie lebt bei ihrem einzigen männlichen Verwandten, einem 95-jährigen Onkel. Sie ist bereits zum zweiten Mal verheiratet. Ihr erster Mann heiratete eine jüngere Frau, ließ sich von Marzia scheiden, und er und seine neue Frau nahmen ihr 2 Monate altes Mädchen mit. Sie hat das Kind nie wieder gesehen.

Als sie 18 war, nahm sie ein Ladenbesitzer, der 27 Jahre älter war als sie, zu seiner Zweitfrau. Aber, sagt sie, die Ehe hat er nie vollzogen. "Er sagte, er hätte mich nicht geheiratet, um Kinder zu bekommen. Er hatte mich geheiratet, um für seine erste Frau zu arbeiten." sagt sie. Mehrere Jahre später, als die Regierung von Burhanuddin Rabbani Kabul regierte und den fundamentalistischen Islam einführte, versuchte sie eine Scheidung zu erreichen. Ihr Mann weigerte sich und ließ sie 18 Monate lang einsperren. Vor acht Monaten, sagt Marzia, beantragte sie erneut die Scheidung, nachdem ihr Mann, der, wie sie sagt, oft wütend und gewalttätig war, sie in einem dunklen feuchten Raum angekettet hatte.

"Die gegenwärtige Situation des Machtwechsels und der Instabilität kann in einer Atmosphäre der Straflosigkeit zu einem Ansteigen der Gewalt gegen Frauen führen." warnte Annan in einem Bericht an den UN-Rat für Wirtschaft und Soziales. Er forderte besondere Maßnahmen, um "Mädchen und Frauen vor Zwangsverheiratung, Verheiratung von Minderjährigen und allen anderen Arten von Gewalt zu schützen."

AP, 20. Februar 2002
"Ich hatte Hunger und Durst. Die andere Frau brachte mir heimlich etwas." sagt Marzia. "Ich respektiere sie sehr, wie eine Mutter."

Als ihr Mann ihr die Scheidung abermals verweigerte, rannte sie weg. Er wandte sich an die Behörden und ließ sie ein zweites Mal einsperren. Rana, die Polizeiermittlerin, bestätigte Marzias Version der Geschichte und sagte, dass ihr Mann, der Ladenbesitzer, eine mächtige Person mit guten Beziehungen sei.

Als sie das erste Mal zu ihrem Ehemann zurückging, sagt Marzia, hätte er sie oft geschlagen, "fast jeden Tag."

"Wenn ich mich mit ihm gestritten hätte, dann wäre das eine Sache gewesen," sagt sie. "Aber ich habe ihm nie widersprochen. Ich habe nie geschrien, weil ich Angst hatte. Ich fühlte mich schuldig. Ich schämte mich. Ich hatte große Angst, dass er mich töten würde."

Vor drei Jahren, sagt sie, brach er ihr die Rippen mit einer vollen Coca-Cola-Flasche, weil sie frischen Joghurt in eine Schüssel getan hatte anstatt ihn in einem Beutel an einem kühlen Ort zu lassen. Ein anderes Mal schlug er sie mit dem Griff einer Schaufel.

Manawee, 35, der nach dem Sturz der Taliban an den Obersten Gerichtshof berufen wurde, sagt, dass es schwierig sein sollte, sich scheiden zu lassen.

"Ist Ihnen das Problem im Westen aufgefallen, dass es in fremden Ländern mehr Scheidungen gibt als in Afghanistan? Wir wollen diese ungünstigen Veränderungen, oder die Erfahrungen, denen die Leute im Westen gegenüber stehen, nicht." sagt er.

Die Mädchen und jungen Frauen, die wegen Ausreißens in Kabul inhaftiert sind, besitzen all die widerspenstige Liebe und den Mut von Heldinnen aus Liebesromanen, aber nach außen hin wirken sie schüchtern.

Nilofar aus dem ländlichen Ghorband lässt ihren Kopf hängen und zieht sich unter einen langen blassblauen Schal zurück, als sie die Geschichte erzählt von ihrer Liebe zu Anjamuddin, 20, einem Fahrer aus der Nachbarschaft. Sie sagt, sie war entschlossen, den Cousin, den ihr Vater ausgewählt hatte, nicht zu heiraten: "Als meine Mutter einen Verwandten heiratete, hatte sie kein gutes Leben. Meine Schwester heiratete ebenso einen Verwandten meines Vaters und sie ist auch nicht glücklich." Das Paar traf sich an einer angrenzenden Mauer und flüsterte jede Nacht zwei Stunden lang miteinander. Schließlich liefen sie zusammen fort, verbrachten aber nur neun Stunden zusammen, bevor sie im Haus eines Verwandten verhaftet wurden.

"Ich weiß, es ist ein Skandal für die Familie, aber es gibt für mich keinen Grund, es zu bereuen. Ich will ihn immer noch heiraten," sagte Nilofar im April in ihrer Zelle. Aber Rana sagte, die Familie würde ihre Einwilligung zur Heirat nie geben, und fügte hinzu, dass die Gefahr gegeben sei, dass die männlichen Verwandten das Mädchen umbringen könnten.

Auf die Frage, ob sie eine gute Ehefrau und Mutter sein möchte, oder ob sie noch andere Dinge gerne machen möchte, hatte Nilofar keine Chance, eine Antwort zu geben.

"Was kann sie schon sein?" sagte Rana, erstaunt über die Frage. "Sie hat keine Bildung. Was kann sie sein außer einer Hausfrau?"

Am Ende zeigte sich, dass die ältere Frau Recht behalten sollte. Nilofars Willen brach, während sie im Gefängnis saß, und sie beugte sich dem Willen ihres Vaters, den Jungen, den sie liebte, aufzugeben, und den Cousin, den sie nicht liebte, zu heiraten. Kaum hatte sie vor einem Monat eingewilligt, war sie frei.

Robyn Dixon ist ein Reporter der Los Angeles Times, einer Zeitung aus dem Verlag Tribune Publishing.
Copyright © 2002, The Baltimore Sun

Was ist aus den Untergrundgefängnissen geworden, von denen G. Taubmann berichtete? Haben wir hier nicht die Antwort? Sollten sie verschwiegen werden, damit eine altneue Ordnung in Afghanistan errichtet werden konnte?

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Wir leben nicht, wir werden gelebt.

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