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Angezeigtes Thema: 'Fragebogen zur Wiedervereinigung Deutschlands'
Beitrag Nummer 4 plus eine Antwort

Legende:  - Infos zur Person  - E-Mail  - Homepage öffnen  - Editieren  - Antworten  - Antw. ohne Zitat
Von: Bodo (Rang: Moderator)   Beiträge: 2722
Mitglied seit: 13.01.2002
Geschrieben am: 10.03.2005 um 01:02 (1227 mal angezeigt)   (Aktuell gewählter Beitrag)
Hallo

An Anne: Ich glaube, hier wirst Du nicht viele Zuhörer finden. Klingt so, als würdest Du eher Bürger der ehemaligen DDR suchen. Und davon postet hier meines Wissens keiner regelmässig.

Ich würde Dir ein Posting in die Newsgroup de.soc.politik.misc empfehlen. Da werden sich zwar sicher ein paar aufregen, dass Du thematisch nicht 100% richtig liegst (ist halt eine deutsche Gruppe (-;), aber Du wirst sicher auch eine Menge sinnvolle Antworten bekommen.



Wir wurden einmal auf dem Transitweg von 'irgendwelchen Leuten' gefragt, ob wir eine Zeitung aus der DDR mitgeführt hätten. Hätten wir eine gehabt, wären wir festgehalten und befragt worden. Es war für Westdeutsche unter Strafe verboten, Zeitungen aus der DDR nach Westdeutschland mitzunehmen.

Wirklich? Meine Mutter hatte eine in der DDR lebende Jugendfreundin. Zu Weihnachten wurden immer Pakete ausgetauscht und in denen der Freundin waren immer reichlich Zeitungen als Füllmaterial. Hätte sie sicher kaum gemacht, wenn es verboten gewesen wäre.

Andersherum war es meines Wissens nicht erlaubt.


Natürlich wusste man nicht, ob es sich bei den Fragenden tatsächlich um Spitzel handelte oder nicht. Die Medienkontrolle konnte man allein bei Durchreise zu spüren bekommen.

Medienkontrolle heißt aber doch eher, dass kontrolliert wird, was Medien berichten und nicht wohin diese Berichte gehen.


Persönliche Fragen:
Wie empfanden Sie die Stimmung zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung?

Was ich gesehen habe war Euphorie und eine Zelebrierung der Wiedervereinigung.

Mir, 1989 zarte 17 Jahre alt, ist das gänzlich am A. vorbeigegangen.

Wenn ich heute die Bilder von damals sehe, die Jubilierenden an der Grenze, bin ich dann doch etwas beeindruckt.

Was für ein Glück, dass das nicht 15 Jahre später passiert ist. Sonst hätte sich das Bush noch auf seine Liste der von ihm befreiten Länder gesetzt.


Denken Sie, dass die Wiedervereinigung herbeigesehnt wurde?

Viele meine Verwandten stammen aus Berlin. Von denen kann ich sagen, dass sie schon Jahre davor über eine Wiedervereinigung geredet haben. Sie haben sie ganz sicher herbeigesehnt. Von der Gesamtbevölkerung wurde mehrheitlich eine Wiedervereinigung begrüsst. Es gab freilich auch Skeptiker.

Spielverderber und Bedenkenträger (-;
Täte mich aber schon interessieren, wie unser Land wirtschaftlich dastehen würde, wenn es keine Wiedervereinigung gegeben hätte.


Denken Sie, dass diese Stimmung anders gewesen wäre, hätte man die Entwicklung in den Jahren danach, so wie sie tatsächlich eingetreten ist, vorhergesehen?

Ich denke, dass viele diese Entwicklungs durchaus vorhergesehen haben. Wie soll's auch anders kommen. Wenn man teilt und abgibt, hat man nachher weniger. Das lernt man im Kindesalter.
Und die psycholischen Probleme ("Mauer im Kopf") sind letztendlich Folgen der wirtschaftlichen.


Ich bekam die Vorgänge als Beobachter mit, nahm an den Entwicklungen nicht so bewusst Teil und konnte die Historizität der Vorgänge noch nicht so recht bemessen. Damals stand ich im Briefkontakt in die USA, von dort schrieb mir jemand, wie sehr doch die Amerikaner mit uns wiedervereinigten Deutschen mitjubeln würden.

Hmmm.


Mittlerweile lebe ich in München, bin beruflich tätig und reise quer durch Deutschland nach Schleswig-Holstein, um dort die Familie zu besuchen. Die Kontakte nach Berlin sind ironischerweise weitgehend eingeschlafen,...

Ja! Die Beziehung meiner Mutter zu oben erwähnter Freundin auch. Ein mal haben sie sich seit dem Fall der Mauer gesehen und Briefe gibt es auch kaum noch.
Seltsam.



_________________
Seelig sind die, die da arm an Geist sind, denn sie werden sich Christlich Soziale Union nennen.

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Antworten:
Von: revolutionsound (Rang: Moderator)   Beiträge: 3739
Mitglied seit: 18.02.2002
Geschrieben am: 10.03.2005 um 22:45 (1180 mal angezeigt)   ( 1. Antwort auf aktuellen Beitrag)   Diesen Beitrag als Aktuellen nehmen
Am 2005-03-10 01:02 hat Bodo geschrieben:

Hallo

An Anne: Ich glaube, hier wirst Du nicht viele Zuhörer finden. Klingt so, als würdest Du eher Bürger der ehemaligen DDR suchen. Und davon postet hier meines Wissens keiner regelmässig.

Ich würde Dir ein Posting in die Newsgroup de.soc.politik.misc empfehlen. Da werden sich zwar sicher ein paar aufregen, dass Du thematisch nicht 100% richtig liegst (ist halt eine deutsche Gruppe (-;), aber Du wirst sicher auch eine Menge sinnvolle Antworten bekommen.

Eine der aktivsten Foren wäre politikforum.de. Allerdings würde ich sagen, dass der Fragebogen so oder so eher qualitativ ausgewertet werden müsste. Er ist eigentlich eher ein Leitfaden für ein Interview. Ist halt auch die Frage, wie repräsentativ solche Newsgroups oder solche Foren sind.

Wir wurden einmal auf dem Transitweg von 'irgendwelchen Leuten' gefragt, ob wir eine Zeitung aus der DDR mitgeführt hätten. Hätten wir eine gehabt, wären wir festgehalten und befragt worden. Es war für Westdeutsche unter Strafe verboten, Zeitungen aus der DDR nach Westdeutschland mitzunehmen.

Wirklich? Meine Mutter hatte eine in der DDR lebende Jugendfreundin. Zu Weihnachten wurden immer Pakete ausgetauscht und in denen der Freundin waren immer reichlich Zeitungen als Füllmaterial. Hätte sie sicher kaum gemacht, wenn es verboten gewesen wäre.

Sicherlich haben einige Wessis ostdeutsche Zeitungen drüben erworben und mitgenommen. Kontrolliert wurde unser Wagen nicht. Hätte eine Zeitung drin sein können.

Andersherum war es meines Wissens nicht erlaubt.

Mich würde es nicht wundern, wenn es eigentlich von beiden Seiten her nicht erlaubt gewesen wäre. Wir hatten übrigens auch Pakete zu einer Familie in die DDR geschickt. Ob wir auch Zeitungspapier zum Füllen benutzt haben - muss mal fragen...

Natürlich wusste man nicht, ob es sich bei den Fragenden tatsächlich um Spitzel handelte oder nicht. Die Medienkontrolle konnte man allein bei Durchreise zu spüren bekommen.

Medienkontrolle heißt aber doch eher, dass kontrolliert wird, was Medien berichten und nicht wohin diese Berichte gehen.

Das stimmt. Ich denke, dass die Inhaltskontrolle ein Aspekt der Medienkontrolle ist. Wird kontrolliert man, wo die Medien hingehen, verhindert man, dass unliebsame Leser die Infos in die Hände bekommen.

Persönliche Fragen:
Wie empfanden Sie die Stimmung zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung?

Was ich gesehen habe war Euphorie und eine Zelebrierung der Wiedervereinigung.

Mir, 1989 zarte 17 Jahre alt, ist das gänzlich am A. vorbeigegangen.

Bei uns waren der Kalte Krieg, die DDR und die BRD ständig Thema, wenn sich die Großeltern und die Onkels und die Tanten trafen. Die Familie väterlicherseits ist 1958 nach Westdeutschland geflüchtet, das Haus hat sie zurückgelassen. Und mein Vater hatte das Geld im Schuh. Ständig sprachen wir auch über die Selbstschussanlagen und Kontrollen an der Grenze. Von einem Hügel in Spandau konnte man das Niemandsland hervorragend beobachten. Die russischen Kasernen zogen sich vor dem Grenzübergang Staaken/Spandau kilometerlang hin. Wir fragten uns ständig, ob und wann die Mauern fallen würden. Und ich war, ehrlich gesagt, an der Thematik garnicht uninteressiert.

Wenn ich heute die Bilder von damals sehe, die Jubilierenden an der Grenze, bin ich dann doch etwas beeindruckt.

Auch die Filmaufzeichnungen: das ist schon bewegend.

Was für ein Glück, dass das nicht 15 Jahre später passiert ist. Sonst hätte sich das Bush noch auf seine Liste der von ihm befreiten Länder gesetzt.

Mit so einem wie ihm - vielleicht wäre die Welt in die Blockpolitik zurückgefallen.

Denken Sie, dass die Wiedervereinigung herbeigesehnt wurde?

Viele meine Verwandten stammen aus Berlin. Von denen kann ich sagen, dass sie schon Jahre davor über eine Wiedervereinigung geredet haben. Sie haben sie ganz sicher herbeigesehnt. Von der Gesamtbevölkerung wurde mehrheitlich eine Wiedervereinigung begrüsst. Es gab freilich auch Skeptiker.

Spielverderber und Bedenkenträger (-;
Täte mich aber schon interessieren, wie unser Land wirtschaftlich dastehen würde, wenn es keine Wiedervereinigung gegeben hätte.

Vermutlich hätten wir es wirtschaftlich schon leichter. Mit der Öffnung nach Osten strömen auch aus dem Osten viele Arbeitskräfte in unser Land. Aber es eröffneten sich auch neue Märkte. Volkswirtschaftlich wären wir auch nicht so stark, aber im Durchschnitt, also pro Einwohner auf höherem Niveau.

Ich bekam die Vorgänge als Beobachter mit, nahm an den Entwicklungen nicht so bewusst Teil und konnte die Historizität der Vorgänge noch nicht so recht bemessen. Damals stand ich im Briefkontakt in die USA, von dort schrieb mir jemand, wie sehr doch die Amerikaner mit uns wiedervereinigten Deutschen mitjubeln würden.

Hmmm.

Wollte mir halt was positives schreiben. :->

Mittlerweile lebe ich in München, bin beruflich tätig und reise quer durch Deutschland nach Schleswig-Holstein, um dort die Familie zu besuchen. Die Kontakte nach Berlin sind ironischerweise weitgehend eingeschlafen,...

Ja! Die Beziehung meiner Mutter zu oben erwähnter Freundin auch. Ein mal haben sie sich seit dem Fall der Mauer gesehen und Briefe gibt es auch kaum noch.
Seltsam.

War der Zusammenhalt die Trennung. Ironisch.

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Wir leben nicht, wir werden gelebt.

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