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© 2002 Bodo Kaelberer

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Forum: Der Wahlkampf der PDS
Moderiert von: Bodo, revolutionsound
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mehr-demokratie-wagen.de Forum Index >> Der Wahlkampf der PDS >> Ich glaube nicht...

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1. geloescht1, 29.04, 15:43 (Start) 
  2. huflaikhan, 30.04, 13:48 (1) 
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      22. Kunstguerilla, 03.05, 13:04 (21) 
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            25. Bodo, 05.05, 15:34 (24) 

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Angezeigtes Thema: 'Ich glaube nicht...'
Beitrag Nummer 16 plus eine Antwort

Legende:  - Infos zur Person  - E-Mail  - Homepage öffnen  - Editieren  - Antworten  - Antw. ohne Zitat
Von: Kunstguerilla (Rang: Moderator)   Beiträge: 508
Mitglied seit: 13.01.2002
Geschrieben am: 02.05.2002 um 05:44 (1269 mal angezeigt)   (Aktuell gewählter Beitrag)
Morgen!

Hui, ich bekomme kaum die Augen auf

Am 2002-05-01 23:18 hat Bodo geschrieben:

Das Problem, sich der Thematik unter der Vorausetzung, dass man eine Loesung finden muss, zu stellen, ist der PDS ja zu Ihrem Glueck erspart geblieben. Da kann man immer schoen auf Opposition machen und Reden schwingen, wenn man nie etwas konkretes vorweisen muss.

Wieso ist das hierzuland so, dass man Opposition als Nicht-Agieren wertet und nur da politische Aktion feststellt, wo regiert wird? In unserer Demokratie ist Opposition elementar und genauso wichtig wie Regierung. Und als Opposition ist die PDS immer konsequent gewesen, und Konsequenz ist ein Zug, den man in der Politik immer seltener antrifft.
Aber gerade beim Thema "Deutschland zieht in den Krieg" hat die PDS doch nicht nur Reden geschwungen, sondern hat agiert, z. B. durch ihr Abstimmungsverhalten im Bundestag.

Ja. Das hat es nun mal aber nicht gegeben. Also denken wir uns: Wer schon 30 Jahre gelitten hat, der haelt auch noch mal 50 aus? Brauchen wir heute nichts zu tun, weil schuld sind die von damals?

Nein, Du sagst das schon richtig: Irgendwann hat man einen Punkt politischen Versagens erreicht, der keine andere Möglichkeit mehr bietet. Das galt ganz besonders für den 2. Weltkrieg. Der Eingriff der Alliierten war die letzte Möglichkeit und deshalb war sie richtig. Gleichzeitig war sie aber Zeugnis des Versagens und würde in die Köpfe geraten, dass es so ist, würde man sich zukünftig vielleicht anders mühen.
Im Moment findest Du Minimum 30 Länder und Regionen, die an einem Punkt sind, der in 20 Jahren zu einer menschlichen Katastrophe a la Afghanistan führen könnten. Und dann überlege Dir einmal, wie "laut" die Berichterstattung in Deutschland z. B. über Konfliktherde in Afrika ist. Da hörst Du nichts.
Als ich angefangen hatte, die taz zu lesen, war ich völlig erschüttert, was überall in der Welt abgeht, weil man davon kaum Wind bekommt. Und da hast Du ständig "Aussaat" für zukünftige Konflikte.

Und wenn wir bei Afghanistan bleiben, sind zukünftige Konflikte bereits wieder vorprogrammiert. Die Übergangsregierung wird recht im Stich gelassen, die Situation der Menschen hat sich ausserhalb der Großräume meist nicht verbessert, das Land zählt neben Kambodscha zu den am meisten verminten Land der Welt, es fehlt an allen Ecken und Enden und die Nordallianz beginnt, sich der Kontrolle durch den Westen zu entziehen. Das sind die besten Voraussetzungen für das nächste Despotische System, denn Demokratie benötigt einen gesünderen Boden, um zu gedeihen.

Jetzt sag mal: Wie haettest Du die Taliban da wegbekommen? Oder fandest Du es gut, so wie es war?

Es ist echt fies, dass Du mir so eine Frage stellst - beantworte die Dir selber. Was soll ich denn jetzt sagen? Ich hätte die Taliban erst gar nicht stark gemacht! Die Amis sind mitverantwortlich dafür, dass die Taliban an die Macht kommt und jetzt stellen sie sich als Retter dar.

Im Grunde genommen ist das die selbe Thematik wie bei den Gewaltvideos: Es ändert sich nichts, wenn man nicht erkennt, dass der entscheidende Fehler weit vor der Katastrophe statt gefunden hat.

Und ebenso fies ist es, dass sich kaum eine Sau für die Situation der afghanischen Zivilbevölkerung interessiert hat vor dem 11. September. Die menschliche Situation war damals schon desaströs, die Hilfsorganisationen waren völlig überfordert. Abgesehen von dem internationalen Protest bei der Zerstörung der buddhistischen Denkmäler durch die Taliban, kann ich mich an kaum einen Versuch erinnern, von Seiten der Welt gegen die Taliban vorzugehen. Und sooo schwierig wäre das nicht gewesen - auch ohne B52-Bomber -, weiss man doch seit je, dass die Haupteinnahmequelle der Taliban der Drogenverkauf war. Es hätte zahlreiche politische Möglichkeiten gegeben, gegen die Taliban vorzugehen und gleichzeitig die demokratischen Kräfte in Afghanistan zu stärken. Hat man nicht gemacht. Und dann am Ende zu sagen, die Bomben hätten schlimmeres verhindert, kann man immer.

Woher diese Zahl?

Das ist ein Mittelwert aus den Schätzungen der Hilfsorganisationen. Genau Zahlen kennt man nicht.

Was einen aber nicht davon entbindet, heute etwas zu tun!

Ja, und zwar permanent. Es gibt unzählige Unruheherde auf der Welt, die alle dazu "in der Lage sind", in 10, 20, 30 Jahren zu einer Katastrophe zu führen. Solange man Krieg als politisches Mittel versteht und sich nicht scheut, einzusetzen, wird man so verfahren wie gehabt: Jahrelang sich nicht interessieren und zuletzt das Zubomben als Befreiung verkaufen. Das gilt für alle Kriege der letzten Jahrzehnte, an denen die USA und die NATO beteiligt waren.

Boah, so ein unangenehmes Thema so früh am Morgen, das schlägt einem auf den Magen

Grüße, Andreas.

_________________
Wir haben die Demokratie längst verschlafen, deshalb müssen wir
endlich wieder mehr-demokratie-wagen.de!

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Antworten:
Von: Bodo (Rang: Moderator)   Beiträge: 2722
Mitglied seit: 13.01.2002
Geschrieben am: 02.05.2002 um 12:09 (1253 mal angezeigt)   ( 1. Antwort auf aktuellen Beitrag)   Diesen Beitrag als Aktuellen nehmen

Am 2002-05-02 05:44 hat Kunstguerilla geschrieben:
Hui, ich bekomme kaum die Augen auf

Weiss ich schon ein paar Tage (-;

Das Problem, sich der Thematik unter der Vorausetzung, dass man eine Loesung finden muss, zu stellen, ist der PDS ja zu Ihrem Glueck erspart geblieben. Da kann man immer schoen auf Opposition machen und Reden schwingen, wenn man nie etwas konkretes vorweisen muss.

Wieso ist das hierzuland so, dass man Opposition als Nicht-Agieren wertet und nur da politische Aktion feststellt, wo regiert wird? In unserer Demokratie ist Opposition elementar und genauso wichtig wie Regierung. Und als Opposition ist die PDS immer konsequent gewesen, und Konsequenz ist ein Zug, den man in der Politik immer seltener antrifft.
Aber gerade beim Thema "Deutschland zieht in den Krieg" hat die PDS doch nicht nur Reden geschwungen, sondern hat agiert, z. B. durch ihr Abstimmungsverhalten im Bundestag.

Aber ein Verhalten, das absolute nichts bewirkt. Das ist in etwa so, wie wenn ich auf dem Schulklo mit Bleistift "Nazis raus" schreibe und denke, ich haette den Rechtsradikalismus bekaempft.
Wenn ich eine Entscheidung treffe, die keine realen Konsequenzen hat, dann stimme ich unter ganze anderen Gesichtspunkten ab, als wenn ich wirklich etwas tun muss. Wenn mein "nein" keinen Einfluss hat, dann kann ich bei einer Sache leichter "nein" sagen, weil es keine praktischen Konsequenzen gibt.
Und im Fall Afg. heisst "nein" eben: Lasst sie weitermorden.

Da ist fuer mich der besser, der eigentlich keinen Krieg will, der sich aber der Notwendigkeit stellt, dass hier ohne einem militaerischen Einsatz nichts zu erreichen gewesen waere. Weil der ist wirklich bereit etwas zu tun, zu agieren.

Und wenn wir bei Afghanistan bleiben, sind zukünftige Konflikte bereits wieder vorprogrammiert. Die Übergangsregierung wird recht im Stich gelassen, die Situation der Menschen hat sich ausserhalb der Großräume meist nicht verbessert, das Land zählt neben Kambodscha zu den am meisten verminten Land der Welt, es fehlt an allen Ecken und Enden und die Nordallianz beginnt, sich der Kontrolle durch den Westen zu entziehen. Das sind die besten Voraussetzungen für das nächste Despotische System, denn Demokratie benötigt einen gesünderen Boden, um zu gedeihen.

Na ich hoffe natuerlich, dass man Afg. weiterbegleiten wird. Ansonsten waere der Angriff nur des Zerstoerens wegen gewesen und dann war er falsch und ungerecht. Das werden aber sicher die Gruenen und wahrscheinlich auch die SPD ebenso sehen.

Jetzt sag mal: Wie haettest Du die Taliban da wegbekommen? Oder fandest Du es gut, so wie es war?

Es ist echt fies, dass Du mir so eine Frage stellst - beantworte die Dir selber. Was soll ich denn jetzt sagen? Ich hätte die Taliban erst gar nicht stark gemacht! Die Amis sind mitverantwortlich dafür, dass die Taliban an die Macht kommt und jetzt stellen sie sich als Retter dar.

Aber du musst doch Loesungen fuer heutige Probleme auch in der heutigen Zeit oder in der Zukunft finden. Es gibt keine Zeitmaschine.

Abgesehen von dem internationalen Protest bei der Zerstörung der buddhistischen Denkmäler durch die Taliban, kann ich mich an kaum einen Versuch erinnern, von Seiten der Welt gegen die Taliban vorzugehen. Und sooo schwierig wäre das nicht gewesen - auch ohne B52-Bomber -, weiss man doch seit je, dass die Haupteinnahmequelle der Taliban der Drogenverkauf war. Es hätte zahlreiche politische Möglichkeiten gegeben, gegen die Taliban vorzugehen und gleichzeitig die demokratischen Kräfte in Afghanistan zu stärken. Hat man nicht gemacht. Und dann am Ende zu sagen, die Bomben hätten schlimmeres verhindert, kann man immer.

Damit meinst du aber wohl nicht, dass die USA sich vorher nicht fuer Afg. interessiert haben, weil sie Drogen produzieren, oder?
Dann sag doch mal konkret. Nehmen wir an, es haette keinen 11. September gegeben und Afg. waere auf dem Stand, wie es vor etwa einem jahr war. Was wuerdest Du vorschlagen zu tun, um dort die Menschenrechte zurechtzuruecken?

[8000]

Woher diese Zahl?

Das ist ein Mittelwert aus den Schätzungen der Hilfsorganisationen. Genau Zahlen kennt man nicht.

Scheiss-viele. Das haengt nun wieder mit der Art der Amis zusammen, ganz ruecksichtslos draufzuschlagen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es so viele sind. Die Berichte, die ich kenne, haben fast nur von zerstoerten Haeusern berichtet aber fast nie von Toten.
Sind das nun direkte Kriegsopfer oder zaehlen da auch Verhungerte etc. mit rein.


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