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mehr-demokratie-wagen.de Forum Index >> Wahlkampf allgemein >> D in D - Initiative "Demokratie in Deutschland"

Thread-View:
1. Yuubee, 04.05, 15:26 (Start) 
  2. revolutionsound, 05.05, 15:28 (1) 
    3. Yuubee, 06.05, 02:08 (2) 
      4. revolutionsound, 06.05, 23:33 (3)  *

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Angezeigtes Thema: 'D in D - Initiative "Demokratie in Deutschland"'
Beitrag Nummer 4 plus 0 Antworten

Legende:  - Infos zur Person  - E-Mail  - Homepage öffnen  - Editieren  - Antworten  - Antw. ohne Zitat
Von: revolutionsound (Rang: Moderator)   Beiträge: 3739
Mitglied seit: 18.02.2002
Geschrieben am: 06.05.2005 um 23:33 (1299 mal angezeigt)   (Aktuell gewählter Beitrag)
Am 2005-05-06 02:08 hat Yuubee geschrieben:

Am 2005-05-05 15:28 hat revolutionsound geschrieben: In der empirischen Sozialforschung würde man sagen, dass die Umfrage beinahe keine Gegenmeinung erlaubt: die Befürwortung von mehr Basisdemokratie ist naheliegend, wenn man mit einigen Dingen unzufrieden ist. In der Demokratie wird man sich (meist) "Demokratie" wünschen.
Die "Gegenmeinung" habe ich absichtlich in die Umfrage mit eingebaut - eigentlich nur der Vollständigkeit halber, aber es haben sich (aktuell) immerhin 6% dahingehend geäußert, daß wir nach ihrem Empfinden bereits zuviel an Demokratie haben. Über die Beweggründe kann man zwar nur spekulieren (prinzipiell gegen alles; lieber einer an der Spitze an allem schuld, als selber Verantwortung übernehmen;...), aber diese Meinungen gehören genauso zum demokratischen Spektrum.

Kann sein, dass sie weniger Demokratie haben wollen, da sie der Ansicht sind, dass sie große Unzufriedenheit erzeugen kann. Wie titelte der Cicero? - Die Demokratie brauche Skandale. In einer Demokratie darf der Staatsmann nicht 'alles'. Und wenn ein Skandal ans Licht kommt, dann wird er vielleicht auch sehr eingehend beleuchtet, was nicht immer mit der Bereitschaft des Politiker oder Bankchef oder wer auch immer einhergeht, dass er Einsicht zeigen und Konsequenzen ziehen sollte und sich selbst weiter in die Hände spielt. So kommt das Gefühl auf, dass man eigentlich hinters Licht geführt wird. Und in China wundern sich die Leute, warum wir die Chinesen als unfrei sehen. Die haben nämlich vielerorts den Eindruck, dass ihr System 'lockerer' wird.

Am meisten wird sich Demokratie meines Erachtens da gewünscht, wo eben keine vorhanden ist

Nicht unbedingt. Manche sind der Ansicht, dass eine gute Diktatur besser ist als eine schlechte Demokratie. In Afrika sind noch immer die Mehrheit der Länder keine Demokratien. Die Bevölkerungen der Länder haben zum Teil keine Erfahrung mit der Demokratie, vielleicht fürchten sie auch die Gewalt, die eventuell bei einer Neuinstallation einhergeht. Manche demokratische Systeme haben nur vorrübergehend existiert und sind wieder in Autokratien zurückgefallen und halten sich relativ stabil. Für solche Länder ist die Demokratie echt ein Wagnis.

- nur läßt sie sich da (bis auf ein paar rühmliche Ausnahmen aus der jüngeren Geschichte) meist nur mit Waffengewalt installieren (wofür es leider auch ein paar unrühmliche Beispiele aus der jüngeren Geschichte gibt).

So ungefähr: der Irak und Afghanistan sind jetzt Demokratien und Krisengebiete.

Die Tatsache, daß die überwältigende Mehrheit in Deutschland sich für mehr Demokratie ausspricht, zeigt doch nur, daß wir noch sehr weit von einer solchen entfernt sind, bzw. daß man das Wörtchen "repräsentative" davor gerne mal vergißt. Im Gegensatz zu den Irakern, die das "Starter-Kit Demokratie" auf´s Auge gedrückt bekommen haben, ohne groß danach gefragt zu haben (oder zu wissen, was sie damit anfangen sollen), existiert in Deutschland ein weit entwickeltes politisches Bewußtsein, das erkannt hat, daß die Demokratie es war, die unsere westliche Zivilisation zur Blüte gebracht hat.

Jein. Würde 'die westliche Blüte' nicht allein auf die Demokratie zurückführen. Als im 18. und im 19. Jahrhundert zahlreiche Revolutionen in Mitteleuropa geschahen, waren die mitteleuropäischen Staaten teilweise Jahrhunderte davor gegenüber anderen Kulturen überlegen. Das lebten sie militant aus. Und gerade weil sie ihre Kolonien so ausbeuten konnten, gedeihte Innen die Wirtschaft und die Entwicklung. Die Griechen konnten auch nur so viel philosophieren, da für Arbeiten u.a. die Sklaven da waren.

Ohne den evolutionären Ansporn der konkurrierenden Ideen und Theorien hätte der Westen es nie zu dem gebracht, was er (noch) ist. Aber anstatt den Weg (der Demokratisierung) konsequent weiterzugehen, haben wir uns in einem starren Geflecht von immer mehr Regeln, Gesetzen und Verordnungen eingesperrt - dabei wäre es so einfach, wenn es nochmal eine entscheidungsfähige Stimme gäbe, nämlich die des Volkes. In unserem sogenannten "Informationszeitalter" wäre es ohne weiteres (wohl mit weniger Aufwand als manche biometrische oder sonstige Überwachung) möglich, daß jederzeit zu allen möglichen Fragen Entscheidungen getroffen werden, wenn z.B. jeder sich von zuhause aus (oder aus dem nächsten Internet-Cafe) beim "Zentralen Deutschen Entscheidungsserver" einloggen, seinen Namen und Ausweisnummer eintippen, abstimmen und schwuppdiwupp, schon haben wir eine entscheidungsfreudige Regierung.

Halte ich für nicht unproblematisch. Hacker werden sich herausgefordert fühlen. Um gegen Manipulation vorzubeugen, braucht es Kontrolle und ein einwandfreies System. Ausserdem ist bei Anschluss zuhause oder bei Einloggen die Gefahr da, dass bei Wahlen nicht mehr 'geheime' Wahlen stattfinden. Damit würde theoretisch Überwachung besser möglich. Es gibt noch mehr Einrichtungen, die an persönlichen Daten etc. interessiert, wogegen diese Software Anwendung findet.

Das heißt natürlich nicht, daß für jede Kleinigkeit eine Volksabstimmung gemacht werden müßte, sondern die Regierung könnte ungestört ihre Arbeit fortsetzen, solange die Bürger sich nicht selber melden

Also z.B. durch ein Volksbegehren?

- aber sobald zu einem Thema eine Mehrheit des Volkes seine Meinung sagt, sollte diese Stimme mehr Gewicht haben als alle Stimmen der "Volksvertreter". Vielleicht könnte man die Stimmverteilung zwischen Volk und Parlament auch prozentual verteilen - es gibt noch viel zu tun, packen wir´s an.

Wenn jede kleine Entscheidung vom Volk mitgetragen werden müsste, dann würde der Staat auf der Stelle treten, klar. Nun für den Fall der Fälle: wie viele Prozent würden deiner Meinung nach in der BRD aktiv an einem solchen Geschehen teilnehmen, wenn dieser 'Deutschen Entscheidungsserver' eingerichtet würde? Wer leitet die Diskussion? Diese Einrichtung müsste gewissermassen 'kontrolliert' sein.


Yuubee

Gruß,
revolutionsound

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